Ausbildung im Metallhandwerk: aktuelle Situation, Herausforderungen und Chance

Von links: Dr. Michael Hoffschroer (HGF KH CLP), Ann-Kathrin Raker (Marketing KH CLP), Ina Bieder (Personalchefin Unternehmensgruppe Claaßen), Theo Vahle (Obermeister Metall-Innung CLP)

Die Nachwuchskräftegewinnung ist ein elementares Themen zur Sicherung der Wirtschaft. Insbesondere im Metallhandwerk sind die Ausbildungszahlen in den letzten zwei Jahren in unserer Region teilweise dramatisch zurückgegangen.

Zu einem gemeinsamen Austausch, über die aktuelle Situation sowie die damit verbundenen Herausforderungen und Chancen trafen sich die Metall-Innung Cloppenburg und die Claaßen-Gruppe um einen Einblick zu geben:

Anzahl der Azubis im 1. Lehrjahr
Beruf 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Feinwerkmechaniker 28 29 38 39 27 20 20
FR Maschinenbau

FR Werkzeugbau

27

0

26

0

34

2

39

0

20

3

16

2

16

0

FR Feinmechanik 0 0 0 0 0 0 0
FR Zerspanungstechnik 1 3 2 0 4 2 4
Metallbauer 50 64 65 67 58 53 49
FR Konstruktionstechnik 43 59 61 59 51 47 43
FR Metallgestaltung 0 0 0 0 0 0 0
FR Nutzfahrzeugbau 7 5 4 8 7 6 6

 

Dieser Rückgang ist nur bedingt auf die Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen, da auch in dieser Zeit die Innungsbetriebe eine stabile Ausbildungsbereitschaft signalisiert haben. Vielmehr ist davon auszugehen, dass eine erhebliche Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze im Metallbauer- und Feinwerkmechaniker-Handwerk somit nicht besetzt werden konnte.

Die Innung des Cloppenburger Metallhandwerks geht daher seit einiger Zeit neue Wege in der Ansprache potentiellen Nachwuchses. Unternehmerinnen und Unternehmer engagieren sich zunehmend auf kreative Art und Weise in der Gewinnung von Auszubildenden.

So hat die Innung inzwischen eine eigen Internet-Kampagne gestartet. Ziel ist es mit Mitteln der Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere des Social-Media-Marketings die Wahrnehmung für das Metall-Handwerk und die Innung des Metallhandwerks, Cloppenburg sowie ihre Mitglieder in der Region zu verbessern und das Engagement der Zielgruppe zu erhöhen.

Auf der Website www.metall-handwerk-cloppenburg.de stellt die Innung grundlegende Informationen zu den Ausbildungsberufen und zur Innung bereit. Zentrale Elemente der Kampagne sind aber die Facebook- und Instagram-Seiten der Innung. Hier erscheint wöchentlich mindestens ein Beitrag und mindestens zweimal pro Woche wird eine Story oder ein Reel gepostet. Alle Innungsbetriebe sind dabei eingeladen, entsprechende Geschichten, Themen zuzuliefern, die dann von der Innungsgeschäftsstelle redaktionell aufbereitet und veröffentlicht werden.

„Noch sind die Nutzerzahlen ausbaufähig, aber insbesondere die steigende Interaktionsrate zeigt, dass wir langsam mehr Aufmerksamkeit bekommen. Uns freut, dass wir über diesen Weg vor allem auch eine erhebliche Zahl von Frauen erreichen. Fast 30% der Follower sind weiblich, dies liegt deutlich über dem Anteil der Auszubildenden im Metallhandwerk“ erklärt Obermeister Theo Vahle aus Friesoythe.

Die Unternehmensgruppe Claaßen ist selber auch sehr aktiv in den Sozialen Netzwerken. Unter dem Slogan „Masters of Metal“ wirbt die Firma um den dringend benötigten Fach- und Führungskräftenachwuchs. Für die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern investiert die Claaßen–Gruppe auch darüber hinaus jährlich sehr viel Geld und Zeit, um langfristig im Wettbewerb am Standort zu bestehen. Firmengründer und stellvertretender Obermeister der Metallinnung, Thomas Claaßen ist überzeugt, dass diese Investition sich langfristig bezahlt macht.

„Unternehmen müssen sich heute auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Wir sind inzwischen die Bewerber, denn gerade den leistungsfähigen Auszubildenden und Mitarbeitenden stehen viele Türen und Wege offen“ so der Unternehmer aus dem Saterland.

Für das regionale Metallhandwerk als Ausbildungs- und Arbeitgeber gibt es dabei gute Gründe:

  •  zahlreiche sicherer Arbeitsplätze und gute Karrierechancen,
  •  vielfältige, sinnstiftende und nachhaltige Tätigkeiten beim Arbeitgeber vor Ort,
  •  keine Langeweile, denn der Einsatz von Hochtechnologie und Handarbeit fordert Präzision und Kraft.

Mit zahlreichen betrieblichen Ausbildungsplätzen im gesamten Landkreis, der überbetrieblichen Ausbildung in Cloppenburg und den Berufsschulstandorten in Friesoythe und Cloppenburg sind in der Region ideale Voraussetzungen gegeben, eine steile Karriere zu starten.

„Wir wissen, dass gerade viele kleine und mittelständische Firmen nicht die Ressourcen haben, um eigene Kampagnen zur Mitarbeitergewinnung zu planen und umzusetzen. Deshalb unterstützen wir hier als Innung. Am Ende bleibt es aber dabei, dass die Unternehmen selber überzeugen müssen. Deshalb mein Tipp: Beantworten Sie sich einmal selber die Frage, warum eine Schülerin nach Abschluss der Realschule in ihrem Unternehmen eine Ausbildung beginnen sollte? Oder warum sollte der Metallbau-Geselle sich für die Arbeitsstelle in ihrem Betrieb entscheiden? Mit den Antworten haben Sie gute Anknüpfungspunkte, um in der Personalgewinnung erfolgreich zu sein“ erklärt Dr. Michael Hoffschroer, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg und der angeschlossenen Innungen.

Die Begleitung bei diesen und weiteren Fragen eines modernen und professionellen Personalmanagement zählt zu den Serviceleistungen, die die Kreishandwerkerschaft Cloppenburg ihren Innungsmitgliedern anbietet. Anfragen gern an m.hoffschoer@handwerk-cloppenburg.de oder telefonisch (04471/179-11).